Von Künstlern aufgezogen

1969 Roland, Sigrid und Matthias Töpfer auf Urlaub am Weissensee. Immer dabei, die obligatorische Fototasche, in dem Fall wohl auch ein Stativ.

Wie ich zum Fotonarr wurde

Wie formulierte es die Figur Hannibal Lecter in dem Thriller »Das Schweigen der Lämmer«?: »Wir beginnen das zu begehren, was wir jeden Tag sehen!« Bei mir waren es wohl Kameras und das, was meine Eltern damit anstellten. Ich habe nie Fotografie studiert. Die davon ausgehende Faszination befiel mich jedoch schon als Kind.

In der Familie, in die ich 1957 geboren worden war, herrschte eine scheinbar unstillbare Leidenschaft, fast alles, was sich als Motiv anbot, oder als nette Begebenheit ereignete, fotografisch festzuhalten. Fotografieren gehörte ebenso zum Lifestyle, wie fotografiert zu werden.

Dabei wurde, wie man an den überlieferten Aufnahmen erkennen kann, durchaus nicht wild drauf los geknipst. Meine Eltern legten Wert darauf, mit vernünftigen Kameras zu arbeiten, und setzten ihren Anspruch als professionelle Künstler, – die sie ohne Zweifel waren – erfolgreich um. Motive und Bildausschnitte wurden ebenso bewusst gewählt, wie Blenden und Belichtungszeiten. Es wurde viel Diafilm verwendet, falls man nicht beim Schwarzweißfilm blieb, der selbstverständlich selbst entwickelt wurde, auch wenn es ihnen anfangs nur im Badezimmer möglich war, Abzüge davon anzufertigen.

Gründung einer Familie aus Künstlern

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten meine Eltern zunächst in Ostberlin. Mein Vater war Abteilungsleiter bei der DEFA gewesen (Deutsche Film AG), wo er auch meine Mutter kennenlernte. Sie hatte zuvor als Grafikdesignerin in einer Ostberliner Filmproduktion gearbeitet, kam also aus der gleichen Branche wie er.

Sigrid Töpfer 1950

Sie heirateten 1952 und setzten sich nach Westberlin ab, wo meine Mutter dann bei der Firma Kruse-Film als Zeichnerin für Zwischenphasen, Kontoristin und Coloristin beschäftigt war.

Über meinen Vater

Kruse-Film zog 1961 nach München um. Unsere Familie zog mit. 1962 kamen meine beiden Schwestern als eineiige Zwillinge zur Welt. Auch sie sind heute künstlerisch tätig. Andrea Jansen ist freiberufliche Illustratorin und Petra Jeckle arbeitet an einer Kollektion in Ton gebrannter Skulpturen. 

Mein Vater blieb dem Unternehmen als Chefzeichner und Regisseur für Werbefilme so lange treu, bis seine Kinder längst erwachsen waren und selbst Familien gegründet hatten.

Zu den bekanntesten Figuren, die er animierte, gehörte das HB-Männchen. Aber er konnte genauso perfekt Disney-Figuren zum Leben erwecken. Ich erinnere mich, Hauptphasen für einen Werbefilm auf seinem Lichttisch gesehen zu haben, die Donald Duck zeigten. Aber auch am ESSO-Tiger sah ich ihn arbeiten, am Hustinetten-Bär, dem Weißen Riesen und einigen anderen Figuren mehr, die man damals in der Fernseh- und Kinowerbung gezeigt bekam. (Mehr zum Thema HB-Mann von Prof. Dr. Gerhard Paul, Institut für Geschichte und ihre Didaktik.)

Adam und Eva Zeichnung von Roland TöpferMein Vater war zeitlebens rund um die Uhr kreativ. Er zeichnete, malte, fotografierte, modellierte Figuren, bastelte und Baute.  Außerdem filmte er, nicht nur beruflich, sondern auch mit großem Eifer aus privatem Interesse. Zum Beispiel gestaltete für damalige Verhältnisse mühsam vertonte Schmalfilme über unsere Familie.

Einer dieser Filme entstand 1969 auf einem Bauernhof im Bayerischen Wald. Dort bin ich zu sehen, wie ich beim Versuch Gänse zu fotografieren, erste Erfahrungen mit seiner Exacta Varex sammle. An den Belichtungsmesser, den ich damals benutzte, kann ich mich noch gut erinnern. Es war ein Gossen Sixtomat, über dessen Zeigerfenster man bei Nichtbenutzung die eingebaute Plastikjalousie schob.

Über meine Mutter

Auf einigen Aufnahmen meines Vaters sieht man meine Mutter als junge Frau im Umgang mit einer Rolleiflex 3,5E, die man in den sechziger Jahren sicher zur gehobenen Mittelklasse gezählt haben dürfte.

Später arbeitet sie einige Jahre lang erfolgreich als freiberufliche Porträtfotografin. Sie benutzte riesige Fotolampen in ihrem Studio, in dem sie mit einer Mamiya C220 arbeitete, einer zweiäugigen 6×6 Mittelformatkamera mit Wechselobjektiven. Bevor sie sie an ihre Kunden auslieferte, fleckte sie ihre selbst vergrößerten Werke gewissenhaft aus und retuschierte sie bei Bedarf. Mitunter begleitete ich sie zum Fotogroßhandel, wo sie Material in aus heutiger Sicht unvorstellbaren Mengen orderte.

Meine Mutter ist bis heute künstlerisch aktiv. Sie malt und zeichnet, sowohl auf herkömmliche Art, als auch auf ihrem Computer.

Als Schüler

Ich war etwa 14 Jahre alt, als mir meine Mutter beibrachte, Schwarz-Weis-Filme zu entwickeln und Abzüge davon anzufertigen. Mein Vater hatte im Keller unseres damaligen Wohnhauses ein professionelles Fotolabor eingerichtet.

Bevor er mich gelegentlich seine Exakta Varex benutzen ließ, hatte ich bereits Erfahrungen mit einer Agfa Clack, später mit einer Kodak Instamatic 25 gesammelt, deren Filmkassetten beim Öffnen im Nachtschwarz unseres Fotolabors klangen, als würde man Nüsse knacken. Sie besaß, ebenso wie die Agfa Clack, ein Fixfokus Objektiv und gerade mal zwei Einstellstufen für die Belichtung: sonnig und bewölkt. Wenn das nicht reichte, steckte man einen Blitzwürfel auf, den man viermal auslösen konnte, bevor man ihn wegschmiss. Schwarzweißbilder, die ich damit geschossen und vergrößert habe, existieren noch. Von einer Zeltlager-Freizeit mit meiner Schulklasse neben der Burg Feuerstein sind auch Dias vorhanden.

Als Jugendlicher

Als Jugendlicher empfand ich es längst unter meiner Würde eine Kodak Instamatic zu benutzen. Zum damals üblichen Outfit passte allenfalls noch die Exakta. Glücklicherweise hatte mein Vater inzwischen zur Olympus OM2 gewechselt. Das gute alte Stück Dresdener Feinmechanik überließ er mir.

Meine Eltern erkannten, dass meine schulische Entwicklung weder auf eine Karriere in der Wissenschaft, noch dem Ingenieur- oder Finanzwesen wies. Schon ab dem Alter von siebzehn Jahren ließen sie mich deshalb auf einer privaten Fachschule Grafikdesign studieren. Eine Chance, die ich mit Freude, dankbar und erfolgreich annahm.

Matthias Töpfer mit 16 Jahrenbeim Fotografieren seiner Klassenkameraden

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